Insellinie

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6. Fall für Marten Thöne

by Andrea Scholz

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Zehn Gäste. Eine abgelegene Insel. Und ein Gastgeber, der ihre dunkelsten Geheimnisse kennt. Eigentlich wollte Ermittler Marten Thöne nur zur Ruhe kommen. Doch aus dem versprochenen Krimiwochenende auf einer einsamen Nordseeinsel wird blutiger Ernst. Während ein tosender Sturm jede Fluchtmöglichkeit abschneidet, enthüllt der Gastgeber die grausame Wahrheit: Jeder der Anwesenden ist für ein Verbrechen verantwortlich, das nie bestraft wurde. Nur Marten scheint nicht in dieses tödliche Raster zu passen. Als am nächsten Morgen die erste Leiche gefunden wird, beginnt ein perfides Spiel. Inmitten von Paranoia, Drogenrausch und den Schatten seiner eigenen Vergangenheit muss Marten den Mörder finden, bevor er selbst zum nächsten Opfer wird. Währenddessen kämpft sein Team in Hamburg gegen die skrupellosen Drahtzieher des „Zirkels“, die Martens Bruder Nico ins Visier genommen haben. In diesem atmosphärischen Noir-Thriller verschwimmen die Grenzen zwischen Recht und Unrecht. Wer ist der Richter, wer ist der Henker – und wie viel Schuld trägt Marten selbst?

  • Krimi
  • Thriller
  • Investigativthriller
  • Drama
  • Familiendrama
  • Detektivgeschichte

Abflug ins Ungewisse

Das nasskalte Grauen des Hamburger Umlands kroch Marten Thöne bereits in die Knochen, noch bevor er den Fuß auf das Rollfeld des Privatflugplatzes Uetersen gesetzt hatte. Er hatte die mysteriöse Einladung zu diesem Krimiwochenende vor einer Woche erhalten, ein Angebot für eine vermeintlich friedliche Auszeit, die er nach den zermürbenden Ereignissen seines letzten Falls so bitter nötig hatte. Er zog das dickfaserige, cremefarbene Papier noch einmal aus der Innentasche, um die geschwungenen, fast altmodischen Buchstaben im fahlen Licht des Flugplatzes zu betrachten:

Sehr geehrter Herr Thöne,

Ihr Ruf als unerbittlicher Sucher nach der Wahrheit eilt Ihnen voraus. Nach den jünst erlittenen Strapazen lade ich Sie exklusiv zu einem Wochenende der besonderen Art ein. Auf meiner privaten Insel erwartet Sie eine erlesene Gesellschaft, exquisites Essen und ein anspruchsvolles Krimispiel, das Ihren brillanten Geist fordern wird. Lassen Sie den Alltag hinter sich. Für Logis und eine diskrete Anreise ist gesorgt.

Ein paar Tage in ruhiger Umgebung, gutes Essen und ein harmloses Gesellschaftsspiel – das war das Versprechen gewesen, das ihn in seiner Erschöpfung hergelockt hatte. Ein schneidender Wind fegte über die weite, flache Marschlandschaft, trieb dichte, aschgraue Wolken vor sich her und peitschte die ersten, vereinzelten Regentropfen gegen seine Wangen. Marten zog den Kragen seiner abgewetzten Jacke höher, vergrub die Hände tief in den Taschen und spürte sofort das vertraute, erbarmungslose Zittern, das tief in seinen Gliedern nistete. Es war nicht die Kälte. Es war das dumpfe, rhythmische Pochen in seinen Schläfen, das unmissverständliche Signal seines eigenen Körpers, dass die Wirkung der letzten Dosis Kokain unaufhaltsam verblasste. Seine Sinne, die eben noch wie eine messerscharfe Klinge funktioniert hatten, drohten im dichten Nebel des beginnenden Entzugs zu versinken. Er brauchte Fokus. Jetzt. Doch in seiner Tasche war nichts als Leere.

Marten blieb einen Moment stehen, schloss die Augen und lauschte dem hämmernden Rhythmus seines eigenen Herzschlags, der sich einfach nicht beruhigen wollte. Als er die Lider wieder hob, fixierten seine hellblauen, fiebrigen Augen die Silhouette des zweimotorigen Privatjets, der einsam auf dem Asphalt der Startbahn wartete. Das weiße Metall der Maschine wirkte unter dem wolkenverhangenen Himmel steril, fast wie ein Fremdkörper in dieser kargen Einöde. Neben dem Flugzeug stand eine kleine Gruppe von Menschen. Neun Fremde, die wie er im Wind fröstelten und schweigend auf das Boarding warteten. Die Atmosphäre war von einer fast greifbaren, kühlen Distanz geprägt. Niemand sprach. Jeder schien peinlich darauf bedacht, dem Blick des anderen auszuweichen, als trage jeder einzelne von ihnen eine unsichtbare Last mit sich herum, die unter keinen Umständen ans Licht kommen durfte.

Marten trat langsamer an die Gruppe heran, die Augen unablässig in Bewegung, jeden der Anwesenden analysierend. Seine jahrelange Erfahrung als Ermittler und die paranoide Wachsamkeit des Entzugs ließen ihn Details wahrnehmen, die anderen verborgen blieben. Da war eine Frau in den Vierzigern, deren blonde Haare praktisch kurz geschnitten waren. Sie trug eine teure, aber funktionale Outdoorjacke und blickte mit einer eiskalten, fast klinischen Präzision auf die Uhr an ihrem Handgelenk. Ihre Lippen waren schmal zusammengepresst, die Haltung extrem aufrecht. Marten ordnete sie sofort als jemanden ein, der gewohnt war, die absolute Kontrolle zu behalten. Dr. Theresa von Ahlbeck, die renommierte Chirurgin. Ihre arrogante, distanzierte Ausstrahlung wirkte wie ein Schutzschild gegen die nasskalte Realität dieses Morgens.

Direkt neben ihr stand ein Mann, bei dessen Anblick Marten kurz den Atem anhielt. Das Gesicht war zerknittert, die Augen nervös und gerötet, der billige Anzug unter dem Regenmantel bereits leicht feucht. Rainer Holthusen. Der ehemalige Polizist, dessen Korruption ihn einst den Job gekostet hatte. Marten kannte die Akte des Mannes aus den Hamburger Polizeiberichten – ein feiger, mürrischer Charakter, der für ein paar Scheine seine eigene Großmutter verkauft hätte. Jetzt wirkte er noch älter, noch verbrauchter, als liefe er ständig vor einem unsichtbaren Jäger davon. Holthusen bemerkte Martens forschenden Blick, zuckte merklich zusammen und wandte hastig den Kopf ab, um das Gesicht im Kragen seines Mantels zu verbergen. Ein stummes Eingeständnis der Schuld, das Martens Misstrauen nur noch weiter anstachelte.

Marten spürte, wie eine Welle von brennender Unruhe durch seine Nerven schoss. Er suchte nach einem Anker, nach irgendetwas, das ihn von dem pochenden Schmerz in seinem linken Knie und dem Schrei nach dem weißen Gift ablenkte. Sein Blick wanderte weiter und blieb an einer Gestalt hängen, die sich etwas abseits der anderen hielt. Es war ein junger Mann, kaum älter als Anfang zwanzig, gekleidet in einen einfachen, dunklen Kapuzenpullover und abgenutzte Jeans. Seine weichen, fast kindlichen Gesichtszüge wirkten melancholisch, von einer tiefen Traurigkeit gezeichnet. Seine Finger nestelten ununterbrochen nervös an den Kordeln seines Hoodies, zogen sie fest und lockerten sie wieder. Lukas Bergkamp. Luki.

In diesem Moment hob der Junge den Kopf. Seine Augen trafen die von Marten. Es war eine unerklärliche, sofortige Verbindung, die durch die feuchte Luft zwischen ihnen schoss. Kein Misstrauen, kein Hochmut – in Lukis Blick lag eine verletzliche Offenheit, die Marten im tiefsten Inneren erschütterte. Es war, als würden sich zwei Schiffbrüchige in einem tosenden Ozean erkennen. Marten spürte, wie das Zittern seiner Hände für den Bruchteil einer Sekunde nachließ. Er nickte dem Jungen kaum merklich zu, und ein schwaches, trauriges Lächeln huschte über Lukis Gesicht, bevor dieser wieder den Blick senkte.

„Meine Herrschaften“, ertönte plötzlich eine leise, aber schneidend scharfe Stimme. „Wenn Sie mir bitte folgen würden. Das Flugzeug ist startbereit.“

Marten wandte sich um. Vor ihnen stand ein großgewachsener, hagerer Mann mit einer fast unnatürlich aufrechten Haltung. Sein silbergraues Haar war streng nach hinten gekämmt, die eisblauen Augen hinter der randlosen Brille musterten die Gruppe mit einer kühlen, professionellen Verachtung. Trotz des einsetzenden Regens wies sein dunkler Anzug keine einzige Falte auf. Es war Joachim, der Butler. Seine Bewegungen waren präzise, fast mechanisch, als er die Passagiere mit einer einladenden Geste zur Gangway des Jets dirigierte. Er verhielt sich wie ein perfekter Diener, doch seine Augen sprachen eine andere Sprache – die eines Mannes, der jedes Detail registrierte und für spätere Zwecke speicherte.

Sie stiegen nacheinander in die Kabine des Privatjets. Drinnen herrschte ein erstickender Luxus. Schwere Ledersitze, glänzendes Wurzelholz und das dezente Aroma von teurem Leder und sterilem Reinigungsmittel. Marten ließ sich auf einen der hinteren Plätze sinken, um die gesamte Kabine im Blick zu behalten. Seine Knie schmerzten von dem feuchten Wetter, und jeder Atemzug fühlte sich an wie das Einatmen von kaltem Staub. Luki wählte zögernd den Sitz schräg gegenüber von ihm, während die anderen Gäste sich schweigend verteilten. Dr. von Ahlbeck setzte sich ganz nach vorne, den Blick starr aus dem Fenster gerichtet, als wäre sie allein an Bord.

Die Turbinen liefen mit einem dumpfen, vibrierenden Brüllen an. Die Maschine rollte an, beschleunigte und hob schließlich mit einem sanften Ruck in den wolkenverhangenen Himmel ab. Je höher sie stiegen, desto dichter wurde die Suppe draußen vor den Fenstern. Die absolute Isolation von der Welt hatte bereits begonnen. In der Kabine breitete sich eine Stille aus, die so schwer war, dass sie auf Martens Schläfen drückte. Niemand wagte es, das Schweigen zu brechen. Unter der Oberfläche der scheinbaren Höflichkeit, mit der man sich beim Einsteigen gegenseitig Platz gemacht hatte, brodelte ein tiefes, unheilvolles Misstrauen. Jeder hier hatte ein Geheimnis. Das konnte Marten riechen, so sicher wie er den süßlichen Duft des Luxus in dieser Kabine wahrnahm.

Er stützte den Ellbogen auf die Armlehne und rieb sich die müden Augen. Das Verlangen nach dem Kokain schrie in seinen Nerven, ein unbarmherziger Schmerz, der sich wie eine eiserne Faust um seine Brust legte. Er brauchte Ablenkung. Er blickte wieder zu Luki hinüber. Der Student saß zusammengesunken in seinem Sitz, die Knie an die Brust gezogen, und starrte ins Leere. Marten spürte den Drang, mit ihm zu sprechen, die Stille zu durchbrechen, die wie giftiger Rauch durch die Kabine kroch.

„Keine besonders angenehme Aussicht da draußen“, sagte Marten leise zu dem Jungen, um das bleierne Schweigen zu brechen. Seine Stimme klang heiser, ein trockenes Krächzen, das er mühsam kontrollieren musste. „Ich bin übrigens Marten. Marten Thöne.“

Der Junge schreckte leicht auf, blickte auf und sah Marten an. „Lukas“, sagte er leise, fast schüchtern, und nestelte an seinem Hoodie. „Aber alle nennen mich Luki. Und ja... es sieht aus, als würde die Welt da draußen einfach aufhören zu existieren. Als gäbe es nur noch uns und diese Wolken.“

„Vielleicht ist das gar nicht so schlecht“, erwiderte Marten und spürte die eiskalte Logik, die sich trotz des Entzugs in seinem Verstand formierte. „Manchmal ist die Welt da unten ohnehin zu laut.“

Luki nickte langsam, ein Schatten von Reue glitt über seine weichen Züge. „Oder zu voll von Dingen, vor denen man weglaufen will. Aber man nimmt sich ja doch immer selbst mit.“

Marten schwieg. Die Worte des Jungen trafen ihn unvorbereitet. Er dachte an das kleine Plastiktütchen, das er so oft in seiner geschlossenen Faust gehalten hatte wie ein glühendes Kohlenstück, an die unzähligen Male, in denen er versucht hatte, seinen eigenen Dämonen zu entkommen. Luki hatte recht. Man konnte vor allem weglaufen, nur nicht vor dem eigenen Spiegelbild.

Der Flug dauerte nicht lang, doch für Marten fühlte sich jede Minute an wie eine Ewigkeit. Das Vibrieren der Triebwerke übertrug sich auf seinen Körper, verstärkte das unbarmherzige Pochen in seinem Kopf. Schließlich neigte sich die Maschine. Der Sinkflug begann. Durch die dichten, nassen Wolkenfetzen schälte sich langsam das Ziel ihrer Reise heraus. Eine karge Insel im stürmischen Grau der Nordsee, umspült von schäumenden, dunklen Wellen, die wütend gegen die felsige Küste peitschten. Das Brüllen des Meeres schien bis in die Kabine zu dringen, noch bevor sie den Boden berührten.

Auf den Klippen der Insel, wie ein steinerner Wächter über dem Abgrund, thronte die Villa. Es war ein monolithischer Bau aus anthrazitfarbenem Beton und riesigen Glasflächen, die das fahle Licht des Himmels kalt reflektierten. Keine weichen Formen, keine einladenden Details – das Gebäude wirkte bedrohlich, kalt und absolut isoliert. Ein moderner Kerker, erbaut auf dem nackten Fels.

Die Landung war hart. Die Räder des Jets schlugen unsanft auf der provisorischen Asphaltbahn auf, die sich wie ein dunkles Band durch das karge Gras der Insel zog. Der Regen peitschte nun mit voller Wucht gegen die Scheiben, ein rhythmisches, wütendes Trommeln, das die Ankunft der Gruppe unbarmherzig untermauerte. Als die Turbinen endlich verstummten, breitete sich eine neue, noch drückendere Stille in der Kabine aus.

Joachim, der Butler, erhob sich als Erster. Er öffnete die Flugzeugtür, und sofort drang die nasskalte, salzige Luft herein, die sich wie eine eisige Hand durch Martens dünnes Hemd fraß. Er fröstelte heftig, als er aufstand. Sein linkes Knie brannte bei jeder Belastung, doch er biss die Zähne zusammen und zwang sich zu einem festen Schritt.

Sie verließen die Maschine nacheinander, die Köpfe tief zwischen die Schultern gezogen, um dem peitschenden Regen zu entgehen. Der Schlamm spritzte unter Martens derben Boots auf, als er den schmalen Pfad betrat, der direkt zu den Klippen und der Villa führte. Die Sicht war gleich null, der Wind riss an seiner Jacke, als wollte er ihn direkt von den Klippen in die tosende Tiefe reißen.

Marten drehte sich noch einmal um. Was er sah, ließ ihn mitten im Schritt verharren. Der Pilot des Privatjets, ein Mann, der während des gesamten Fluges kein einziges Wort gesprochen hatte, zog bereits die Flugzeugtür wieder ins Schloss. Die Turbinen jaulten heulend auf, noch während die letzten Gäste die Landebahn verließen. Ohne zu zögern, ohne auch nur eine Sekunde zu warten, wendete die Maschine auf der schmalen Piste und schoss zurück in den wolkenverhangenen Himmel. Binnen Sekunden war das Flugzeug in den grauen Wolkenmassen verschwunden, und nur das verhallende Brüllen der Triebwerke blieb zurück, bis auch dieses vom donnernden Getöse der Wellen verschlungen wurde.

Sie waren allein.

Marten griff instinktiv in seine Jackentasche, suchte nach seinem Smartphone. Er zog es heraus, das Display leuchtete schwach im prasselnden Regen. Kein Netz. Kein einziger Balken. Das Mobilfunknetz in dieser nasskalten Hölle war nicht nur schlecht – es existierte nicht. Die Isolation der Insel war absolut und unbarmherzig.

„Es gibt hier keinen Empfang, Herr Thöne“, ertönte die Stimme des Butlers direkt hinter ihm. Joachim stand da, ohne einen Regenschirm, scheinbar völlig unbeeindruckt von dem Unwetter, das um sie herum tobte. Seine eisblauen Augen fixierten Marten mit einer kühlen, fast spöttischen Intensität. „Unser Gastgeber legt großen Wert auf ungestörte Konzentration während dieses Wochenendes. Wenn Sie mir nun bitte in das Haus folgen würden.“

Marten spürte, wie das Adrenalin durch seine Adern schoss, gepaart mit dem dumpfen, zitternden Verlangen des Entzugs. Jedes moralische Bedenken, jede bürgerliche Maske, die er sich mühsam auferlegt hatte, drohte in diesem Moment zu zersplittern. Dieses Wochenende war keine Erholung. Es war eine Falle. Und er war gerade mitten hineingetreten.

Sie folgten dem schmalen, steinigen Pfad hinauf zur Villa. Der Weg war steil, und das linke Knie schickte bei jedem Schritt eine Welle von brennendem Schmerz durch Martens Körper. Neben ihm stolperte Luki im nassen Gras, und Marten griff instinktiv nach seinem Arm, um ihn zu stützen. Ihre Blicke trafen sich erneut im peitschenden Regen. Lukis Gesicht war aschfahl vor Kälte und Angst, seine Lippen zitterten heftig.

„Danke“, flüsterte der Junge, kaum hörbar gegen das Brüllen des Sturms.

Marten nickte nur fest, hielt den Griff an seinem Arm noch für einen Moment aufrecht, bevor er ihn wieder losließ. Er musste sich konzentrieren. Die Sinne schärfen. Irgendetwas stimmte an diesem Ort ganz und gar nicht, und wenn er nicht aufpasste, würde ihn die Dunkelheit dieser Insel verschlingen, noch bevor er das erste Mal die Gelegenheit hatte, nach der Wahrheit zu suchen.

Als sie die riesige, schwere Eingangstür der Villa erreichten, stieß Joachim sie mit einer mühelosen, mechanischen Bewegung auf. Die Gruppe drängte sich hastig in die weitläufige, sterile Eingangshalle. Drinnen war es warm, doch die Atmosphäre war stickig, geschwängert von einem unbestimmten, lauernden Grauen. Marten stand mit dem Rücken zur geschlossenen Tür, die Hände tief in den Taschen vergraben, und spürte das dumpfe, unbarmherzige Hämmern in seinen Schläfen. Der Albtraum hatte begonnen.

Das Abendmahl der Sünder

Die stickige Wärme der Eingangshalle bot nur eine flüchtige Illusion von Schutz. Der Geruch von feuchtem Beton, vermischt mit dem herben Aroma von Bohnerwachs und einer unterschwelligen, modrigen Note, kroch Marten Thöne in die Nase. Seine durchnässte Jacke hing schwer an seinen Schultern, während das unbarmherzige Pochen hinter seinen Schläfen an

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