Achtsam Kündigen

Achtsam Kündigen

Manchmal braucht wahrer Seelenfrieden nur eine kleine Dosis bürokratischen Tod

by Robert Treml

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Claudia Müller hat ihr persönliches Mantra gefunden: Wahre innere Ausgeglichenheit erfordert die rückstandslose Beseitigung aller Störfaktoren. Als Personalmanagerin einer chronisch überlasteten Großstadtklinik lächelt sie unerträgliche Kollegen nicht mehr einfach weg. Sie streicht toxische Menschen schlichtweg für immer aus dem Dienstplan. Ein scheinbar harmloser Fehltritt auf nassem Linoleum hier, eine vertauschte Ampulle dort – und plötzlich atmet die gesamte Belegschaft spürbar auf. Claudias Stresslevel sinkt mit jedem wohlüberlegten „Betriebsunfall“ in ungeahnte Tiefen. Doch als der arrogante Oberarzt Dr. Wagner die Nerven aller strapaziert, gerät ihr Zeitplan ins Wanken. Zu allem Überfluss beginnt der akribische Revisor Bernd Neumann, der statistischen Häufung seltsamer Todesfälle auf den Grund zu gehen. Ausgerechnet im muffigen Kellerarchiv stößt er auf Ungereimtheiten in Claudias perfekt sortierten Akten. Um ihr seelisches Gleichgewicht nicht dauerhaft zu verlieren, muss Claudia den Ermittler selbst aus dem Verkehr ziehen – ganzheitlich, nachhaltig und mit äußerster Präzision. Ein rabenschwarzer, hochspannender Klinik-Krimi über mörderische Selbstfürsorge und die tödlichen Abgründe moderner Ratgeberweisheiten.

  • Mystery
  • Thriller
  • Crime Fiction
  • Witzig
  • Medical Mystery
  • Murder Mystery

Einatmen, Ausatmen, Freistellen

Der Dampf stieg in feinen, gleichmäßigen Kringeln aus dem Keramikbecher empor. Claudia Müller hielt die Tasse mit beiden Händen umschlossen, die wohlige Wärme wanderte durch ihre Handflächen, und sie genoss die herbe Note von getrocknetem Fenchel und Anis. Auf ihrem Schreibtisch lag kein einziges loses Blatt Papier. Die Tastatur ruhte exakt parallel zur Tischkante, der Monitor war auf Augenhöhe ausgerichtet, und daneben stand eine winzige Schale mit polierten Flusskieseln. Jeder Kiesel stand für ein erfolgreich bewältigtes Hindernis, für eine gereinigte Störquelle im Flussbett des Klinikalltags.

Claudia schloss die Augen hinter ihrer Hornbrille. Einatmen durch die Nase, vier Sekunden halten, achtsam ausatmen durch den leicht geöffneten Mund. So lehrte es Kapitel drei des kleinen gelben Taschenbuchs, das seit zwei Jahren wie eine Schutzmauer auf ihrem Nachttisch lag. Sie zählte in Gedanken. Eins, zwei, drei, vier. Die Welt war gut, solange man ihren toxischen Schwingungen erlaubte, ins Leere zu laufen. Man musste den Schmerz nicht bekämpfen, man musste ihn nur beobachten und anschließend liebevoll dorthin befördern, wo er niemanden mehr belästigen konnte.

Die Bürotür flog mit solcher Wucht gegen die Wand, dass der Putz neben der Zarge leise rieselte.

Claudia öffnete die Augen nicht sofort. Sie atmete erst zu Ende aus. Langsam hob sie die Lider, setzte ihr gewohntes, mildes Lächeln auf und blickte in das aufgebrachte Gesicht von Stefan Wagner. Der Oberarzt der Chirurgie trug seinen Kittel offen über der dunkelblauen Kasackhose, die Hände in die Hüften gestemmt. Seine Haare saßen trotz des Zorns tadellos, jedes einzelne Strähnchen mit mattem Wachs in Form gebracht.

„Claudia, es reicht mir jetzt endgültig“, donnerte er durch den Raum. Seine Stimme füllte das kleine Personalbüro bis in den letzten Winkel aus. „Ich habe Ihnen gestern schon gesagt, dass dieser Dienstplan eine bodenlose Frechheit ist.“

Claudia stellte ihren Tee behutsam auf dem Filzuntersetzer ab. „Guten Morgen, Stefan. Möchtest du dich setzen? Wir können gern gemeinsam ankommen, bevor wir das Sachliche besprechen.“

„Ich will nirgendwo ankommen! Ich will diesen verdammten Nachtdienst am Freitag loswerden!“ Wagner trat an den Schreibtisch heran und stützte beide Hände auf die weiße Platte, sodass er sich bedrohlich über sie beugte. Der scharfe Geruch seines teuren Aftershaves verdrängte im Nu den Fenchelduft. „Ich habe Karten für die Operngala. Ich werde garantiert nicht am Freitagabend irgendwelchen betrunkenen Kassenpatienten die Platzwunden nähen. Tragen Sie Dr. Becker ein.“

Aus der Ecke des Zimmers, hinter einem mannshohen Regal voller Personalakten, erklang ein leises, zaghaftes Hüsteln. Petra Schröder schrumpfte auf ihrem Drehstuhl förmlich in sich zusammen. Die junge Sachbearbeiterin hielt einen dicken Papphefter an ihre Brust gepresst, als könnte er wie ein Schutzschild gegen den Zorn des Arztes wirken.

„Herr Dr. Wagner“, flüsterte Petra mit zittriger Stimme, „Frau Dr. Becker hat in dieser Woche bereits zwei Doppelschichten übernommen. Sie… sie darf nach dem Arbeitszeitgesetz gar nicht mehr eingeteilt werden. Wenn die Gewerbeaufsicht das sieht, bekommen wir—’

Wagner fuhr mit einer blitzschnellen Bewegung herum. Seine Augen verengten sich zu zwei schmalen Schlitzen. „Habe ich Sie nach Ihrer unqualifizierten Meinung gefragt, Frau Schröder? Sind Sie jetzt plötzlich die Chefärztin, oder was bilden Sie sich eigentlich ein?“

Petra zuckte zusammen. Ihre Wangen färbten sich kreidebleich. „Ich wollte nur… das Gesetz…“

„Das Gesetz interessiert mich einen Dreck, wenn es um meine Freizeit geht!“, schnauzte Wagner sie an. Er machte zwei Schritte auf die zierliche Frau zu und schlug mit der flachen Hand auf ihren Schreibtisch. Der Knall ließ Petra aufspringen. „Sie sitzen hier den ganzen Tag nur herum, schieben Papier von links nach rechts und haben keine Ahnung, was wir im OP leisten. Sie sind eine völlig inkompetente Tippse, Frau Schröder. Wenn Sie Ihren Job nicht gebacken kriegen, sorge ich dafür, dass Sie noch vor Ablauf Ihrer Probezeit auf der Straße sitzen. Haben Sie das kapiert?“

Petras Unterlippe bebte, Tränen schossen ihr in die Augen, vergrößert durch die dicken Brillengläser. Ihre Hände verloren den Halt am Hefter. Das Dokumentenkonvolut rutschte ihr aus den Fingern und schlug auf dem Linoleumboden auf. Zwanzig Seiten des chirurgischen Übergabeprotokolls verteilten sich wie weiße Herbstblätter im Raum.

Wagner schnaubte verächtlich, trat achtlos auf eines der Blätter und hinterließ einen grauen Schuhabdruck mitten auf den Unterschriftenzeilen.

Claudia erhob sich. Ihre Bewegungen waren fließend, beinahe tänzerisch. Sie strich ihre pastellblaue Strickjacke glatt und trat um den Tisch herum. In ihrem Inneren war es still geworden, eine eisige, klare Ruhe wie ein zugefrorener Bergsee im tiefsten Winter. Ihr Lächeln blieb unverändert weich, fast mütterlich.

„Atmen wir diesen Konflikt doch erst einmal tief durch die Nase ein“, sagte Claudia mit leiser, melodischer Stimme, „und lassen ihn dann mitsamt der Ursache vollkommen los.“

Sie trat neben Petra, legte der zitternden Kollegin beruhigend eine Hand auf die Schulter und während das Mädchen krampfhaft nach Luft rang. Claudia wandte den Blick zu Wagner. „Stefan, wir haben im vergangenen Monat alle gemeinsam an dem Seminar zur kollegialen Achtsamkeit teilgenommen. Du erinnerst dich sicher an das Modul über gewaltfreie Kommunikation im Stationsalltag? Wertschätzung ist die Basis unseres Heilauftrags.“

Wagner starrte sie für einen Moment entgeistert an. Dann warf er den Kopf in den Nacken und lachte laut, bellend und schrill.

„Achtsamkeit? Wollen Sie mich verarschen, Claudia?“ Er trat einen Schritt zurück und musterte sie von oben bis unten, von ihrem akkuraten Scheitel bis zu den bequemen Halbschuhen. „Ihr esoterisches Geschwafel können Sie sich sonst wohin schmieren. Ich bin Chirurg, kein Blumenkind. Mein Vater sitzt im Aufsichtsrat dieser Klinikgruppe. Wenn mein Dienstplan bis heute Mittag um zwölf Uhr nicht bereinigt ist und Dr. Becker für Freitag drinsteht, spreche ich direkt mit der Geschäftsführung. Und dann schauen wir mal, wer von Ihnen beiden zuerst die Koffer packt.“

Er drehte sich auf dem Absatz um, stieß die Tür noch weiter auf und rauschte davon. Das Echo seiner festen Schritte hallte durch den Korridor, begleitet von dem metallischen Klappern seiner teuren Armbanduhr.

Im Zimmer blieb nur das leise Schluchzen von Petra zurück. Die junge Frau war auf die Knie gesunken und klaubte mit feuchten Fingern die verstreuten Seiten zusammen.

„Es tut mir furchtbar leid, Claudia“, schluchzte Petra, während eine Träne auf das gestempelte Deckblatt tropfte. „Ich wollte wirklich nicht stören… aber die Unterschrift fehlt schon wieder, und Herr Wagner hat mich vorhin so laut angeschrien… Ich mache alles falsch. Er wird mich kündigen lassen, ganz bestimmt.“

Claudia kniete sich gelassen neben Petra. Sie nahm der Kollegin ein paar Blätter aus der Hand, strich die Ecken glatt und ordnete sie nach Seitenzahlen. Ihre Finger bewegten sich präzise, ohne das geringste Zittern.

„Niemand wird dich kündigen, Liebes“, sagte Claudia sanft. „Herr Dr. Wagner leidet momentan unter einer schweren energetischen Dysbalance. Seine Aura ist vollkommen verunreinigt von Ego und Druck. Er weiß gar nicht mehr, was er tut.“

Petra schniefte und wischte sich mit dem Ärmel über die Nase. „Aber sein Vater…“

„Das Universum hat eigene Kontrollmechanismen, Petra. Manchmal müssen wir den Dingen einfach nur Zeit geben, sich selbst zu regulieren.“ Claudia half der jüngeren Kollegin auf die Beine und führte sie sanft zu ihrem Stuhl zurück. „Trink einen Schluck Wasser. Ich kümmere mich um Stefan. Ich verspreche dir, ich werde eine ganz maßgeschneiderte Lösung für ihn finden. Eine, die ihm dauerhaft den nötigen Raum zur Besinnung gibt.“

Petra blickte dankbar auf. „Wirklich? Glaubst du, er nimmt die Schicht doch?“

„Er wird diesen Freitag ganz sicher keine Fehler mehr machen“, erwiderte Claudia mit einem unendlich sanften Nicken. „Verlass dich ganz auf mich.“

Sie kehrte an ihren Arbeitsplatz zurück, nahm den Kugelschreiber und schlug eine unauffällige graue Kladde auf, die sie in der untersten Schublade unter den alten Urlaubsanträgen aufbewahrte. Auf den ersten Seiten standen drei Namen, alle sauber mit einem zarten Bleistiftstrich durchgestrichen. Neben dem ersten stand: Herzversagen auf der Treppe, Juni. Neben dem zweiten: Unfall mit defekter Starkstromleitung, September. Neben dem dritten: Allergischer Schock durch verunreinigtes Desinfektionsmittel, November.

Mit ruhiger, geschwungener Handschrift trug sie einen vierten Namen ein:

Dr. Stefan Wagner – Chronische Blockade des Betriebsfriedens.

Sie schloss das Buch, legte es zurück und atmete wieder tief durch. Der Tag hatte eine wunderbare, glasklare Richtung bekommen.

Gegen vierzehn Uhr verließ Claudia das Verwaltungsgebäude, um die wöchentlichen Anwesenheitslisten der operativen Stationen persönlich abzugleichen. Draußen lag der typische Geruch des Spätherbstes in der Luft, vermischt mit den Abgasen der Rettungswagen, die vor der Notaufnahme im Leerlauf warteten. Sie betrat den Altbau der Chirurgie. Die Wände waren hier noch mit blassen, mintgrünen Kacheln verkleidet, die an manchen Stellen Risse zeigten, und das Deckenlicht flackerte in einem nervösen, summenden Rhythmus.

Am Schwesternstützpunkt herrschte das gewohnte Chaos. Das Telefon schrillte ununterbrochen, ein Monitor piepte monoton, und aus Zimmer 104 rief jemand nach einer Bettpfanne.

Mitten in diesem Sturm stand Martina Hofmann. Die Stationsleiterin stemmte die fleischigen Unterarme auf den Tresen, während ihre Brille an einer bunten Perlenkette auf ihrer Brust baumelte. Ihre kupferroten Locken standen in alle Richtungen ab, und sie trug einen Kittel mit aufgedruckten bunten Papageien, der den strengen Ernst der Station mit brachialer Gewalt konterkarierte.

„Ach, Claudia! Da kommt ja mein liebster Sonnenschein“, rief Martina mit ihrer rauen Berliner Schnauze, sobald sie Claudia erblickte. Sie riss sich die Lesebrille von der Nase. „Sag mir bitte nicht, dass du mir noch mehr Überstundenkürzungen aufschwatzen willst, sonst springe ich eigenhändig aus dem Fenster im dritten Stock. Obwohl, nee, da bricht man sich ja heutzutage bloß noch die Haxen und kriegt hier drinnen nicht mal ein freies Bett.“

Claudia lächelte milde und reichte ihr die Mappe herüber. „Keine Kürzungen, Martina. Nur die Bestätigung der Nachtwachen für den kommenden Monat. Wie läuft es bei euch?“

Martina schnaubte so heftig, dass eine lose Locke an ihrer Stirn tanzte. Sie goss sich aus einer verbeulten Thermoskanne eine dunkle, fast teerartige Flüssigkeit in eine Tasse mit der Aufschrift Kaffee heilt alle Wunden. „Wie soll es laufen? Beschissen, wie immer. Und weißt du, wer wieder den Vogel abgeschossen hat?“

Claudia legte den Kopf leicht schräg. „Lass mich raten. Unser Sonnengott der Gefäßchirurgie?“

„Der feine Herr Wagner, janz jenau!“, schimpfte Martina und schlug die Mappe mit einem lauten Klatschen auf den Tresen. „Der Kerl ist eine wandelnde Gemeingefahr, ich sag es dir im Vertrauen. Heute Vormittag bei der Blinddarm-OP von der alten Frau Krause. Er quatscht die ganze Zeit über seine Verabredungen, schaut kaum hin, und am Ende vergisst er beinahe ein Tupfertuch im Bauchraum! Wenn die kleine Schwester Anja nicht dreimal nachgezählt hätte, hätten wir die Frau morgen wieder aufschneiden können. Und was macht der Kerl? Schnauzt Anja an, sie soll nicht so hysterisch sein und gefälligst ihr Maul halten.“

Martina trank einen großen Schluck von dem bitteren Gebräu und verzog das Gesicht. „Ich schwör dir, Claudia, wenn dieser Nichtsnutz noch einmal meinen Dienstplan umschmeißt oder meine Mädels zur Sau macht, zieh ich ihm eigenhändig den Kittel über die Ohren. Der Mann gehört weggesperrt, nicht in einen OP-Saal. Aber sein alter Herr hält ja die Hand über ihn. Keiner traut sich, den Mund aufzumachen. Wenn der so weitermacht, stirbt hier bald ein Patient auf dem Tisch, und am Ende will es wieder keiner gewesen sein.“

Claudia lauschte aufmerksam. Jedes einzelne Wort von Martina fühlte sich an wie ein wärmender Sonnenstrahl. Es war die reinste Bestätigung. Das Universum sprach nicht in Rätseln zu ihr; es sprach durch verzweifelte Stationsleiterinnen, durch weinende Sachbearbeiterinnen und durch die schlampige Arroganz eines Mannes, der sein eigenes Verderben mit jedem Atemzug selbst heraufbeschwor.

„Das klingt nach einer enormen Belastung für dein Team“, sagte Claudia mit mitfühlendem Tonfall. Sie legte ihre Hand sanft auf Martinas Unterarm. „Niemand sollte in ständiger Angst vor fahrlässigen Fehlern arbeiten müssen. Du leistest hier Großartiges, Martina. Wirklich.“

Die Stationsleiterin seufzte schwer; die harte Linie um ihren Mund entspannte sich ein wenig. „Danke, Claudia. Wenigstens eine in der Verwaltung, die noch ein Herz hat. Aber was hilft’s? Ändern können wir es ja doch nicht. Der bleibt uns erhalten, bis er Chefarzt wird oder ein Wunder geschieht.“

„Wunder sind oft nur das Resultat richtiger Entscheidungen zur rechten Zeit“, erwiderte Claudia leise.

Martina lachte trocken. „Na, wenn du ein Wunder im Angebot hast, pack mir gleich zwei davon ein.“

„Ich werde sehen, was sich einrichten lässt.“ Claudia nahm die unterschriebene Liste wieder an sich, verabschiedete sich mit einer leichten Verbeugung und trat den Rückweg an.

Als sie den langen Verbindungsgang zwischen Altbau und Funktionstrakt durchquerte, hielt sie für einen Moment am Fenster an. Unten im Innenhof stand der glänzende Sportwagen von Stefan Wagner, der unberechtigterweise auf dem Parkplatz für die Notfallseelsorge abgestellt war. Ein typisches Zeichen seiner tiefen inneren Verwahrlosung.

Eine Welle tiefer, erhabener Zufriedenheit durchströmte ihren Körper. Nicht Hass trieb sie an. Hass war eine rohe, ungesunde Emotion, die das eigene Chi vergiftete und Falten um die Augen trieb. Es war reine, unverfälschte Hygiene. Wenn ein Schimmelpilz die Wand einer Kinderklinik befiel, diskutierte man nicht mit ihm. Man entfernte ihn restlos, um die Gesundheit des Ganzen zu bewahren.

Stefan Wagner war Schimmel. Teurer, parfümierter Schimmel mit einem Abschluss in Humanmedizin.

Sie ging weiter, summte eine kleine, beruhigende Melodie vor sich hin und dachte über die baulichen Gegebenheiten des alten Flügels nach. Markus Klein von der Betriebstechnik hatte neulich erwähnt, dass der historische Lastenaufzug im Chirurgie-Trakt erhebliche Probleme mit der hydraulischen Türverriegelung hatte. Eine defekte Lichtschranke, eine rutschige Kante, ein Schritt ins Dunkle.

Alles fügte sich. Man musste dem Fluss des Lebens nur erlauben, die Steine aus dem Weg zu spülen. Und manchmal brauchte der Fluss eben eine kleine, achtsame Hilfestellung.

Giftige Energien im Dienstplan

Die Treppenstufen hinab ins zweite Untergeschoss waren feucht und trugen an den Kanten abgewetzte gelbe Warnstreifen. Je tiefer Claudia stieg, desto weiter rückte das künstliche Summen der Pflegestationen in den Hintergrund. Hier unten roch es nach altem Estrich, Hydrauliköl und dem süßlichen Moder von Rohrisolierungen, die seit dem Baujahr 1974 ni…

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