Das alte Haus am Kanal

Das alte Haus am Kanal

Ein charmantes ostfriesisches Rätsel um Freundschaft, Mut und ein dunkles Geheimnis am Wasser

by Veronika Ulrich

12 chaptersde

In einem baufälligen Haus am Kanal in Ostfriesland haben Mario, Werner und Rita mehr als nur ein Dach über dem Kopf gefunden – sie haben ein Zuhause und eine Familie gewählt. Doch die Idylle ihrer ungewöhnlichen Senioren-WG gerät ins Wanken, als das Bauamt mit der Räumung droht. Was wie reine Bürokratie beginnt, entpuppt sich schnell als gefährliches Spiel. Mysteriöse Drohungen, unheimliche Gestalten in der Nacht und seltsame Markierungen am Ufer lassen die Bewohner zweifeln: Geht es wirklich nur um die marode Bausubstanz? Als ein alter Freund schwer verletzt aus dem Kanal gerettet wird, stoßen die Senioren auf die Spur eines legendären Schmuggelrings und dessen skrupellosen Anführer Jansen. Zwischen Renovierungsarbeiten, Tee und den wachsamen Augen von Katze Mariechen müssen die drei ungleichen Freunde beweisen, dass man für Gerechtigkeit nie zu alt ist. Um ihr Heim zu retten, tauchen sie tief in die Vergangenheit des Kanals ein und stellen sich einer Gefahr, die weit über behördliche Auflagen hinausgeht. Ein herzerwärmender und spannender Kriminalroman über den Zusammenhalt, der stärker ist als jede Mauer.

  • Mystery
  • Literary Fiction
  • Cozy Mystery
  • Small Town Mystery
  • Family Drama
  • Amateur Sleuth

Das schiefe Fundament

Das schiefe Fundament

Das Erste, was an diesem Morgen schiefging, war nicht das Wasserkochen, nicht die Katze und nicht einmal Rita, die im Türrahmen stand. Es war der Stuhl. Der alte Küchenstuhl unter Werner gab ein Knacken von sich. Werner saß mit geradem Rücken darauf, die Zeitung halb aufgeklappt auf dem Tisch und die Lesebrille auf der Nase. Er richtete den Blick auf die Anzeige für gebrauchte Gartenwerkzeuge, als könnte ein Satz über rostige Spaten seine Laune retten. Mario hob den Kopf.„Werner, wenn du noch einmal so schaust...“ „Dann pass du besser auf, dass dein Kaffee nicht wieder auf meine Zeitung tropft. „Sonst löst sie sich vorher schon auf. Rita lachte auf. Sie hatte ihr linkes Bein auf einem Hocker abgestützt, legte die Hände auf die Oberschenkel und beobachtete die beiden Männer mit diesem Blick, der immer schon wusste, wie die Sache ausgehen würde. Neben ihr, auf der Fensterbank, lag Mariechen. Die Katze rollte sich zusammen und tat so, als hätte sie mit menschlichen Problemen nichts zu tun. Ihr Schwanz zuckte einmal, sehr würdevoll. Das Häuschen am Kanal roch an diesem Morgen nach Kaffee, Apfelmus und dem feuchten Grün des Gartens. Draußen stand das Gras hoch und wild. Am Zaun entlang wuchs wuchernde Schafgarbe, der bei Rita immer nur „dieses weiße Gestrüpp“ hieß, während Werner behauptete, genau dort würden die meisten Hummeln sitzen. Hinter dem Haus glitt der Kanal vorbei, grau und glatt wie ein Blechstreifen, nur gelegentlich zog ein kleiner Wellenkreis über die Oberfläche, wenn ein Fisch oder ein Tropfen sie bewegte. Mario stand auf. Seine stattliche Größe füllte die Küche. Er griff nach dem Brotkorb, der in der Mitte des Tisches stand. Dabei streifte er mit dem Ellbogen die Marmeladenschale. Ein roter Klecks landete genau auf dem Rand von Werners Zeitung.

„Ach, herrje“, sagte Rita.

Mario erstarrte. „Das war Absicht.“

„Natürlich“, sagte Werner und tunkte seinen Löffel demonstrativ in den Kaffee. Mariechen hob den Kopf, als hätte der Tonfall sie alarmiert. Sie sprang mit einem Satz vom Fensterbrett, landete neben Werners Stuhl und schob ihr Köpfchen gegen sein Schienbein. Werner ließ automatisch die Hand sinken und kraulte sie hinter den Ohren. „Du wenigstens hältst hier zu mir.“

„Sie hält zu dem, der am wenigsten brummt“, sagte Rita.

„Dann kann sie ja heute den ganzen Tag bei dir bleiben“, murmelte Mario.

Genau in diesem Moment schepperte es draußen. Rita blickte zum Fenster. Werner legte die Zeitung beiseite. Mario ging bereits zur Hintertür, als das zweite Scheppern kam, gefolgt von einem Fluch, der selbst im Garten klar und deutlich zu hören war.

„Das ist Herr Koopmann“, sagte Rita sofort.

„Woran erkennst du das?“, fragte Mario. "An der Lautstärke", meinte sie.

Draußen stand ihr bärtiger Nachbar Herr Koopmann, ein ehemaliger Handwerker mit seinem Transportkarren... Er stützte sich schwer auf den Griff – seinen Rollator hatte er heute im Schuppen vergessen, und sein Dickkopf verbot es ihm, noch einmal umzukehren. Der Karren lag auf der Seite. Daneben ein Sack Blumenerde, aufgeplatzt, und ein paar gekaufte Tomatenpflanzen lagen daneben. Herr Koopmann, ein schmaler Mann mit Mütze, versuchte gerade, den Karren wieder aufzurichten. Seine Wange war rot. Nicht vom Wetter.

Rita schob ihren Stuhl zurück, was bei ihr immer ein kleines Ereignis war, weil ihr jede Bewegung schwer fiel. Erst danach stand Werner mit einem leisen Ächzen auf. Er nahm die Zeitung von der Marmelade weg und murmelte: „Die Tomaten sehen schon jetzt sehr mitgenommen aus.“

Sie traten in den Garten hinaus. Die Luft war kühl genug, um wach zu machen, und trug den Geruch von nasser Erde, Minze und dem Kanalwasser, das hinter dem Haus ein wenig modrig und zugleich vertraut roch. Mariechen folgte ihnen bis zur Schwelle, setzte sich dorthin und beobachtete das Geschehen von einer sicheren Position aus.

„Der Sack hat sich verabschiedet“, sagte Herr Koopmann und wischte sich mit dem Handrücken über die Stirn. „Und dann das Rad. Immer wenn man’s eilig hat.“

„Sie haben es doch nie eilig“, sagte Rita und drehte den Kopf schief.

„Darum merkt man’s ja so schön, wenn’s doch passiert“, brummte er.

Mario bückte sich und hob den Sack an. Die Erde rieselte aus einem Riss wie Sand. Danach nahm Werner das Rad in Augenschein, zog einmal daran und nickte knapp. „Achse krumm.“

„Ist sie?“ Herr Koopmann klang beleidigt. „Die war neu.“

„Neu heißt nicht gerade“, sagte Werner. Rita schnaufte. „Wie bei manchen Ehemännern".

Herr Koopmann lachte wider Willen. Mario packte den Karren und hob ihn mit einer mühelosen Bewegung an, die immer wieder beeindruckte, obwohl niemand es ihm je sagte.

Gemeinsam brachten sie das Ding in Gang.

Als Herr Koopmann sich bedankte, tat er das nicht mit großen Worten. Er nickte nur, blickte nacheinander auf die vier Gestalten vor sich und schließlich auf Mariechen, das sich jetzt doch herausgewagt hatte und in den nassen Kräutern schnupperte. Dann sagte er: „Ist schon gut, dass Sie da sind.“

Er nahm den Karren und zog davon, langsamer jetzt. Die Tomaten wackelten im Takt seiner Schritte.

Später, zurück in der Küche, war die Marmelade vom Zeitungspapier gekratzt und der Kaffee nachgeschenkt. Doch die Luft im Raum war nicht mehr ganz dieselbe. Werner faltete die Zeitung zusammen.

„Koopmann war früher nicht so klapprig.“

„Du warst früher auch nicht so klug“, sagte Rita.

„Und du nicht so klein.“

„Und trotzdem sitze ich hier und du da.“

Mario grinste in seine Tasse. Mariechen sprang auf seinen Stuhl, drehte sich dreimal im Kreis und ließ sich dann genau auf die zusammengelegte Tageszeitung nieder, als hätte sie beschlossen, dass nun genug Nachrichten für einen Tag gelesen worden seien. Werner zog eine Augenbraue hoch.

„Das ist nicht ihr Platz.“

„Sie hat das anders beschlossen“, sagte Mario.

„Natürlich“, murmelte Werner. „Hier entscheidet ohnehin jeder alles anders.“

Draußen strich der Wind durch das wilde Gartenstück hinter dem Haus und bog die hohen Halme am Kanal in dieselbe Richtung. Das Wasser glitt weiter, es hatte eine beruhigende Wirkung. Innen aber blieb für einen Moment etwas hängen – einfach nur, wie ein Geruch, den man nicht sofort erkennt. Rita lehnte sich vor, um nach dem Butterteller zu greifen. Erst da knackte der Stuhl wieder. Diesmal zuckte niemand zusammen. Doch alle hörten hin. Und genau dieses Hinhören machte den nächsten Morgen nicht besser.

Es begann mit einem Zettel.

Er lag auf der Fußmatte, sauber gefaltet, als hätte ihn jemand mit Absicht so abgelegt, dass man ihn nicht übersehen konnte, und trotzdem so klein wie möglich. Mario beugte sich hinunter und hob ihn auf. Rita rief ihm noch hinterher: „Lass das mal liegen, wer weiß, was das ist.“ Werner trat nun ebenfalls in den Flur und verschränkte die Arme. Mariechen drängte sich zwischen seine Beine, um einen Blick zu erhaschen.

Mario las laut vor. „Sehr geehrte Bewohner, im Zuge der anstehenden Überprüfung der baulichen Sicherheit wird das Anwesen am Kanal am kommenden Donnerstag durch einen Gutachter besichtigt...“

Bitte halten Sie die Zugänge frei. Im weiteren Verlauf kann eine Einschätzung zur Nutzbarkeit des Gebäudes erfolgen. Mit freundlichen Grüßen, blablabla.“

Rita rollte vor und nahm ihm den Zettel aus der Hand. Ihre Finger blieben einen Moment auf dem Papier liegen. „‚Nutzbarkeit‘“, sagte sie langsam. „Das ist ein hübsches Wort für: Wir sehen mal, ob ihr hier bald herausfliegt.“

„Vielleicht ist es nur eine Routine“, sagte Mario. Erst als der Satz ausgesprochen war, merkte man, dass er sich selbst nicht ganz glaubte. Werner trat näher und las über Ritas Schulter. Seine Lippen wurden schmal. „Routinen kündigt man nicht mit so einem Blatt an.“

„Vielleicht haben sie Angst vor uns“, sagte Rita trocken. „Kann ich verstehen, grinste Mario.“ Mariechen setzte sich mitten auf den Flur. Erst nach einer Weile nieste sie. Am Küchentisch wurde es stiller als sonst. Es war nicht unangenehm, aber man spürte die Anspannung, Von draußen klapperte irgendwo, ein lose hängender Zaunlattenrest klapperte gegen den Pfosten. Der Kaffee roch zu stark, die Butter war zu kalt, und das Licht am Fenster wirkte blass.

„Was steht da genau?“, fragte Rita schließlich.

Werner nahm den Zettel wieder an sich und las noch einmal vor, diesmal langsam. „Im weiteren Verlauf kann eine Einschätzung zur Nutzbarkeit des Gebäudes erfolgen.“

„Was heißt das auf Deutsch?“, fragte Mario. Er schob die Hände in die Hosentaschen. „Dann machen wir eben alles ordentlich. Schrubben, aufräumen, Garten, Schuppen, Dachrinne. Was auch immer die sehen wollen.“

„Dachrinne?“, Werner schnaufte. „Du warst noch nie auf einer Leiter, pass auf das Du nicht herunterfällst.

„So alt bin ich nun auch wieder nicht, jung genug, um die Leiter zu benutzen, nur kein Neid.

Rita lachte kurz auf. Danach legte sie den Zettel neben ihre Tasse, als gehörte er plötzlich zu den Dingen, die nicht mehr witzig waren.

Am Nachmittag erschien Herr Koopmann wieder, diesmal ohne Karren, dafür mit einem Beutel Äpfeln. Sein Gesicht verriet, dass er gelernt hatte, schlechte Nachrichten nicht zu persönlich zu nehmen. Er blieb im Gartentor stehen und hob den Arm zum Gruß. „Hab’s gehört“, sagte er ohne Umwege.

Werner ging zur Tür und öffnete sie ihm. „So schnell spricht sich das also herum?“

Herr Koopmann lachte. „Die Enten auf dem Kanal wissen es früher als die Leute. Und die erzählen’s weiter.“

Sie setzten sich nach draußen. Bis an die Steinstufe wuchsen die Brennnesseln, die am Kompost standen. Herr Koopmann zog sein Taschenmesser und schnitzte einen Ast glatt. Rita griff nach einer Schale Zwetschgen und begann, sie zu entkernen. Mario schleppte Bretter aus dem Schuppen, die eigentlich für ein Hochbeet gedacht waren. Werner kramte in einer Blechdose und zog alte Schrauben heraus, „Wenn die kommen“, sagte Rita und schnippte einen Kern in die Wiese, „dann sollen die wenigstens sehen, dass wir hier leben. Und nicht nur existieren.“

Werner nickte. „Der Unterschied ist manchmal wichtiger als jeder Grundriss.“

Die Reparaturen zogen sich durch den restlichen Tag. Mario stieg auf die Trittleiter und schraubte eine lockere Leiste am Vordach fest. Rita ging in den Flur und schob das alte Läuferband unter den Schrank, damit niemand stolperte. Mario trat an die Fenster und putzte die Scheiben so energisch, dass Mariechen drinnen an den Rahmen sprang. Werner holte einen alten Zollstock aus dem Werkzeugkasten, zog ihn auseinander, wobei das Holz laut knackte, und begann, die Maße des Türrahmens zu nehmen.

Am Abend stand die Küche offen zum Garten. Der Wind trug nasse Erde herein. Das Kraut draußen verströmte einen Regengeruch, obwohl kein Tropfen gefallen war. Auf dem Tisch lagen Schrauben, ein Schwamm, ein Stofftuch und der Brief mit dem Wort „Nutzbarkeit“. Niemand sprach ihn mehr an, aber er blieb da, wie ein ungeladener Gast.

Dann klingelte das Telefon.

Das alte, schwarze Gerät im Flur. Es wurde so selten benutzt, dass das schrille Läuten alle zusammenfahren ließ. Werner reagierte zuerst. Er stand auf und ging los. Rita folgte ihm mit ihrem Rollstuhl dicht auf den Fersen, während Mario durch die Hintertür in die Küche trat und stehen blieb.

Werner hob den Hörer ab. „Ja?“ Er schwieg und hörte zu. Seine Stirn legte sich in tiefe Falten. „Der Termin steht doch auf dem Zettel. Dienstag“, sagte Werner fest. „Warum rufen Sie dann an?“ Rita sah ihn ins Gesicht. Mario legte den Schraubenzieher, den er noch hielt, behutsam auf den Tisch. Werner lauschte, seine Stimme wurde leiser. „Wir sind keine Ruine. Hier wohnt niemand illegal.“ Er hielt die Hand über die Sprechmuschel und flüsterte den anderen zu: „Das Amt. Sie wollen am Dienstag nicht nur gucken. Die prüfen im Hintergrund schon, ob sie uns das Wohnen hier direkt untersagen können.“ Rita schnaubte, entwand ihm den Hörer und sprach mit fester Stimme hinein: „Hören Sie mal gut zu. Wir erwarten Ihren Gutachter am Donnerstag. Und wir werden bereit sein. Schönen Feierabend.“ Sie knallte den Hörer auf die Gabel.

Niemand setzte sich wieder hin. Werner strich langsam mit dem Daumen über die Tischkante. Mario trat an das Fenster und blickte in den dunkler werdenden Garten. Rita rückte den Apparat auf dem Tisch zurecht, bis er gerade stand.

„Gut“, sagte sie schließlich. „Dann wissen wir wenigstens, womit wir es zu tun haben.“

Im selben Moment krachte es hinten im Flur – ein langer, dumpfer Aufprall. Mariechen flitzte sofort los. Werner folgte ihr mit schweren Schritten, Mario lief hinterher, und Rita stützte sich kurz an der Wand ab, um das Gleichgewicht zu halten und in ihre Luxuskarosse zu steigen, bevor sie ihnen nachfuhr.

Im Flur stand der alte Wandspiegel - nicht mehr. Er war von der Wand gerutscht und lag nun in zwei großen und mehreren kleineren Stücken auf den Dielen. Ein Splitter glitzerte im matten Licht. Nichts rührte sich mehr. Kein Luftzug ging durch das Haus.

Werner ging langsam in die Hocke. Mariechen stellte sich neben ihn, sträubte den Schwanz und starrte auf die Scherben.

Rita meinte: „Erst das Amt, dann der Spiegel. Gibt’s noch Wünsche?“

Mario bückte sich, griff nach einem größeren Stück und hob es auf. Er betrachtete sein verzerrtes Gesicht im Glas. Werner nahm ein zweites Stück, drehte es langsam zwischen den Fingern und sah den Riss an, der direkt durch sein Spiegelbild verlief.

„Sieht aus, als hätte das Haus selbst genug“, murmelte er.

Rita schwieg einen Moment. „Oder als ob es uns was sagen will.“

Werner blickte zu ihr auf. Mario tat es ihm gleich. Draußen am Kanal schlug ein Vogel ins Wasser; das leise Platschen verhallte sofort.

„Dann hören wir eben zu.“

Rita blieb stehen und sah zu, wie Werner und Mario die größeren Scherben vorsichtig aufsammelten. Erst danach fuhr sie ganz nah an den leeren Holzrahmen heran, legte zwei Finger auf das zerbrochene Holz und seufzte vor sich hin.

Am Ende des Abends stand der Spiegel, in eine Decke gehüllt, neben der Tür. Das Amtsschreiben lag unter einem schweren Marmeladenglas auf dem Tisch. Die Küche war wieder aufgeräumt. Mariechen sprang auf das Sofa, drehte sich im Kreis und rollte sich zu einem Fellknäuel zusammen. Draußen regte sich der Wind im hohen Gras und die Gartentür schlug leise gegen ihren Haken.

Rita rollte an das Fenster und blickte hinaus. Werner kam hinzu und stellte sich neben sie, so nah, dass seine Schulter fast ihren Ärmel berührte. Mario brachte zwei Teetassen und stellte sie nacheinander auf den Tisch.

„Morgen.“

„Morgen.“

Rita nickte. Draußen glänzte das Wasser des Kanals im Dunkeln, Von außen hatte sich nichts verändert. Nur drinnen wusste jeder, dass dieser Tag etwas in Bewegung gesetzt hatte.

Ein unerwarteter Schatten

Der Morgen war nicht freundlich. Graue Wolken hingen über dem Kanal und drinnen in der Küche roch es nach frisch aufgebrühtem Kaffee, kaltem Putzmittel und altem Holz.Mario stand an der Spüle, die Ärmel hochgekrempelt, und balancierte einen Teller mit drei halbierten Brötchen an den Tisch. Werner stand mit verschränkten Armen am Fenster und blickte…

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